Amazon Kindle Oasis 2 (2017): Mehr lesen!

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Amazon Kindle Oasis 2017

Ich lese gern und viel, aber recht selten auf einem E-Reader, meist nutze ich dabei das iPad oder ein Smartphone – wobei „viel“ dann eher „angefangen, aber nicht beendet“ bedeutet, denn auf einem Telefon, Tablet oder Notebook liest man nie so wirklich ungestört und fokussiert – zu groß sind die Ablenkungsmöglichkeiten. Deshalb habe ich E-Reader wieder für mich entdeckt – und hier speziell das Kindle Oasis 2017 mit 32 GB Speicher, WLAN und 3G

Meine Kindle-Historie und warum ich einen neuen E-Reader benötige

Mein erstes Kindle war noch aus den USA importiert – das Kindle 2, noch mit echter Tastatur und dem Gefühl, bei einer kleinen Revolution dabei zu sein. Später habe ich mir ein Kindle Paperwhite 3G zugelegt, der schon deutlich mehr meinen Anforderungen genügte, da er wesentlich kleiner und durch die 3G-Integration besser unterwegs nutzbar war. Lange Zeit lagen beide Geräte in der Schublade, wenn ich E-Books gelesen habe, dann primär auf dem iPad oder gelegentlich am Rechner oder am Mobiltelefon.

Das hat sich vor einigen Wochen geändert. Wesentlicher Auslöser dafür war Johannes, mein großer Sohn, der seit einem dreiviertel Jahr einen Tolino Shine 2HD besitzt (und der entspricht in Größe und Gewicht ziemlich genau meinem alten Kindle Paperwhite 3G von 2014). Durch ihn und seinen bewussten Umgang mit dem Gerät als ungestörtes Leseinstrument angeregt, habe ich meine alten Kindle-Geräte wieder in Betrieb gesetzt und damit ein paar Stunden verbracht. Es war okay, aber naja, mehr auch nicht.

Was mich ganz primär gestört hat, war, dass ich am Paperwhite keine physischen Tasten zum Umblättern hat. Man muss also jedes Mal auf das Gerät fassen, was den Lesefluss deutlich verringert. Darüber hinaus ist das Display halt auf dem Stand von 2014 bzw. im Falle des importierten Kindle 2 auf dem Stand von 2009, und die Geräte sind einfach recht langsam, wenn man es mit anderen modernen Konsumgeräten vergleicht. Die Ansprüche wachsen halt mit der Zeit…

Warum Amazon Kindle und nicht Tolino?

Amazon wird ja gerne für den Tod des Buchhandels verantwortlich gemacht – und das mag bis zu einer bestimmten Grenze auch so sein, auch wenn ich der Meinung bin, dass es sehr wohl lohnende und funktionierende Nischen gibt, in denen der „klassische“ Buchhandel gegenüber Amazon oder den Ketten (Thalia, Hugendubel, etc. mit ihrem standardisierten Sortiment) punkten könnte.

Wie dem auch sei – warum Kindle und nicht Tolino? Die Antwort ist ganz einfach: 2009 gab es keinen Tolino. 2010 auch nicht. Und auch 2011 nicht. Und danach hatte ich bereits eine Menge E-Books, die ich zwar mit Calibre hätte konvertieren können, wozu ich aber schlichtweg keine Zeit und keine Lust hatte.

Offenheit der Plattform, anyone? Come on! Wenn es um Offenheit gehen würde, dann würde ich mir einen echten E-Reader zulegen, mit Android als Betriebssystem, um dort mit Hilfe von Apps alle Plattformen direkt nutzen zu können. E-Pub als Format ist zwar weit verbreitet, aber abseits eines geschlossenen Ökosystems (Tolino) auch nur über PC und anschließendes Kopieren auf ein Gerät nutzbar – und sorry, das will ich einfach nicht. Meine Geräte sind nie an einen Rechner angeschlossen, das muss und soll alles über die Cloud bzw. die Infrastrukturen der Anbieter gehen.

Also, Amazon aus historischen Gründen. Eine Kindle-App hab ich quasi überall und ansonsten gibt es den Web-Reader. Das passt für mich.

Das Kindle Oasis 2017 mit 32 GB Speicher und 3G

„Gewöhnungsbedürftig“ dürfte einem einfallen, wenn man das Gerät das erste Mal sieht – anders als jeder andere E-Reader auf dem Markt, ist es asymmetrisch aufgebaut und dabei auch noch leicht keilförmig gestaltet. Darauf muss man sich einlassen wollen.

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Kindle Oasis 2017 mit 32 GB Speicher und 3G

Es lohnt sich aber, kann ich sagen. Denn: Gerade durch den asymmetrischen Aufbau mit einem breiten Griffbereich samt größerer Dicke an dieser Stelle (und einem verbauten Lagesensor, der die Ausrichtung entsprechend der Hand, in der man das Gerät hält, anpasst) fasst sich das Gerät richtig gut an. Man kann es bequem halten und dank der beiden kleinen Knöpfe kann man mit dem jeweils oben liegenden Knopf vor- und mit dem unten liegenden Knopf zurückblättern. Das ist intuitiv, und wer dennoch auf das Display tippen möchte, kann auch das tun.

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Die Rückseite ist nicht symmetrisch gestaltet

Das Display selbst ist mit 7 Zoll ein wenig größer, als bei den klassischen Kindle- und Tolino-Modellen, wobei das Gehäuse selbst breiter, aber niedriger ist:

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Kindle Paperwhite 3 (links) und Kindle Oasis 2017 3G (rechts)

Das Seitenformat ist natürlich ebenfalls gewöhnungsbedürftig, aber man kommt damit sehr schnell klar. Schon nach wenigen Minuten möchte man den deutlich größeren Platz auf dem Bildschirm nicht mehr missen, es ist einfach viel praktischer so.

Generell ist der Bildschirm großartig: Er kann sehr hell werden, löst knackscharf auf, reagiert problemlos auf Berührungen, hat einen Helligkeitssensor, mit dem sich die Beleuchtung automatisch regulieren lässt, und vermittelt durch seinen planen Einbau ein Tablet-Feeling. Aktuell wäre mir kein besserer Bildschirm in einem E-Reader bewusst.

Die Batterielaufzeit ist ausgezeichnet – nach mehreren Stunden Lesen hat man noch genug Saft für weitere Stunden. Aufgeladen wird das Kindle Oasis über einen Micro-USB-Anschluss, ein Kabel befindet sich im Lieferumfang, ein Netzteil leider nicht. Man kann aber problemlos jedes Handy-Ladeteil nehmen oder bestellt sich bei Amazon ein spezielles Netzteil für das Gerät.

Was gibt es noch zu sagen (dies soll ja kein technisches Review werden)?

Das Gerät ist schnell, da wird man für lange Zeit keine Probleme haben. Die Audible-Integration ist spannend, leider kann man nicht parallel Audible hören und dabei lesen. Auch fehlt ein Kopfhörer-Anschluss, so dass nur der eingebaute Lautsprecher oder ein per Bluetooth angeschlossenes Endgerät für den Hörbuch-Genuss in Frage kommen. Muss man sich drauf einlassen, ist aber letztlich inzwischen bei vielen Telefonen so und wer einen Echo oder Echo Dot im Hause hat, kann die auch für die Wiedergabe von Hörbüchern verwenden.

Für mich ganz spannend: Das Amazon Kindle Oasis 2017 ist wasserdicht. Es überlebt zwar sicherlich kein Tiefseetauchabenteuer, aber man kann es problemlos mit an und in die Badewanne nehmen – einen kurzen Rutscher ins Wasser nimmt man entspannt hin.

Und: Die Materialien sind toll – vorne Glas, hinten Metall:

Teuer – aber sein Geld wert!

Bleibt zuletzt der Preis: Das Kindle Oasis kostet in der Einstiegsvariante mit 8 GB Speicher und WLAN, aber ohne 3G (also Mobilfunk-Integration) bereits 229,– EUR. Dazu noch eine schöne Tasche und man ist bereits im Bereich um 250,– EUR. Autsch. Das Modell mit 32 GB Speicher und WLAN (ohne Mobilfunk-Integration) kostet 259,– EUR. Autsch, Autsch. Und mein Modell mit 32 GB Speicher, WLAN und 3G-Mobilfunk-Integration wird für gepflegte 319,– EUR verkauft. Autsch, Autsch, Autsch.

Ein einfaches Kindle ohne Schnickschnack, etwa das Kindle Paperwhite 3 mit Werbung auf dem Lockscreen, geht für unter 120,– EUR. Und das billigste Kindle bereits für 69,– EUR.

Einerseits.

Andererseits ist das Kindle Oasis tatsächlich sein Geld wert, jedenfalls in der Variante ohne 3G-Mobilfunkunterstützung. Bereits das „Basismodell“ (darf man das so nennen?) ist luxurios ausgestattet, wasserdicht, hat ein tolles Display, eine großartige Haptik, verfügt über die Audible-Integration, ist schnell und wird garantiert für mehrere Jahre ein famoser Begleiter sein.

Die aus meiner Sicht empfehlenswerteste Version mit 32 GB und WLAN legt 24 GB Speicher für 30,– EUR oben drauf – das sind tausende von E-Books und Hörbüchern, die man erstmal bei Amazon kaufen oder sideloaden muss… 😉 Und ja, sie sind viel besser als ein gewöhnliches Kindle oder Kindle Paperwhite 3. Auch so viel besser.

Das Modell mit Mobilfunkintegration ist der absolute Overkill – schließlich kann man die Mobilfunkverbindung nur für Kindle E-Books, nicht aber für Audible Hörbücher nutzen. 60,– EUR Aufpreis dafür, dass man E-Books weltweit ohne WLAN herunterladen kann, muss man im Zeitalter von Handy-Hotspots wirklich wollen. Naja, ich wollte…

Mein Fazit

Inhaltlich habe ich alles gesagt: Kaufen, es lohnt sich, wenn man sich auf das Amazon-Ökosystem einlassen will, einen der derzeit besten E-Book-Reader haben will und eben genau das möchte: Einen E-Reader mit Zugriff auf Millionen von Büchern im handlichen Format zum komplett ungestörten Lesen.

Mir hat das Kindle Oasis 2017 die Freude am E-Book-Lesen zurückgebracht, mehr, als es die älteren E-Reader vermochten: Die Integration ins Amazon Ökosystem mit 3G-Mobilfunkunterstützung macht es traumhaft einfach, jederzeit und tatsächlich überall ein Buch kaufen oder ausleihen zu können (Kindle Unlimited), das Format ist für mich deutlich praktischer als die alten 6-Zoll-E-Reader, die Haptik ist schön, die Optik ist eigenständig und die Batterielaufzeit mehr als ausreichend.

Ich bin happy, und ich lese wieder E-Books. Das hätte ich vor einigen Wochen so nicht gedacht!

Kaufen?

Die Amazon Kindle E-Reader gibt es nicht nur bei Amazon, sondern natürlich auch bei anderen Outlets, etwa im Blödmarkt oder im Saturn. Sie sind dort allerdings meist nicht günstiger, als bei Amazon selbst, deshalb hier die Links zu den Geräten bei Amazon:

Kindle Oasis

Kindle Paperwhite

Produkte von Amazon.de

Kindle

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